3.3 Stetige Funktionen auf kompakten Intervallen
Übung 1
Sei f : [ 0, 1 ] → ℝ eine stetige Funktion. Welche der folgenden Aussagen sind (1) immer richtig, (2) immer falsch, (3) für manche f richtig und für manche f falsch? Beweisen Sie Ihre Antworten.
(a) | { x ∈ [ 0, 1 ] | f (x) = 0 } = ] 1/4, 3/4 [. |
(b) | { x ∈ [ 0, 1 ] | f (x) = 0 } = [ 0, 1/4 ] ∪ [ 3/4, 1 ]. |
(c) | Ist der Punkt 0 die einzige Nullstelle von f, so sind alle anderen Funktionswerte entweder alle positiv oder alle negativ. |
(d) | Es gibt ein δ > 0, sodass für alle Nullstellen x von f gilt: Ist x′ ∈ [ 0, 1 ] und |x − x′| < δ, so ist |f (x′)| < 1. |
Übung 2
Sei P ⊆ ℝ ein Intervall, und sei f : P → ℝ stetig. Zeigen Sie, dass der Wertebereich Q = { f (x) | x ∈ P } von f ein Intervall ist. Folgern Sie, dass jede stetige Funktion f : ℝ → ℚ konstant ist.
Übung 3
Sei f : P → ℝ nicht streng monoton. Zeigen Sie, dass x < y < z in P gibt mit:
(1) f (x) ≤ f (y) und f (y) ≥ f (z) oder (2) f (x) ≥ f (y) und f (y) ≤ f (z).
Übung 4
Sei I ein Intervall, und sei f : I → ℝ stetig. Zeigen Sie, dass die folgenden Aussagen äquivalent sind:
(a) | f ist injektiv. |
(b) | f ist streng monoton. |
Übung 5
Für eine Funktion f : P → ℝ sei
X = { x, y ∈ P | x < y und f (x) ≥ f (y) }
die Menge der Verletzungspunkte der Eigenschaft „streng monoton steigend“. Zeigen Sie, dass es ein kompaktes Intervall I und eine stetige nicht streng monotone Funktion f : I → ℝ gibt mit inf (X) ∉ X. (Eine Skizze eines Funktionsgraphen genügt.)
Übung 6
Sei f : [ a, b ] → ℝ eine stetige Funktion mit Wertebereich [ c, d ], c < d. Weiter sei A = { x ∈ [ a, b ] | f (x) = c } und B = { x ∈ [ a, b ] | f (x) = d }. Zwischen zwei Maxima liege immer mindestens ein Minimum und umgekehrt, d. h., es gelte:
Für alle x < y in A existiert ein z ∈ B mit x < z < y und für alle x < y in B existiert ein z ∈ A mit x < z < y.
Zeigen Sie, dass A und B endlich sind. Skizzieren Sie zudem eine „typische“ derartige Funktion f.
Übung 7
Sei f : [ 0, 1 ] → [ 0, 1 ] stetig mit f (0) = f (1). Zeigen Sie, dass es ein p ∈ [ 0, 1/2 ] gibt mit
f (p) = f(p + 1/2).
Zeigen Sie allgemeiner, dass es für alle n ≥ 1 ein p ∈ [ 0, 1 − 1/n ] gibt mit
f (p) = f(p + 1/n).
Übung 8
Sei f : [ 0, 1 ] → [ 0, 1 ] stetig. Zeigen Sie, dass für alle n ≥ 1 ein x ∈ [ 0, 1 ] existiert mit f (x) = xn.
Übung 9
(a) | Sei f : ℝ → ℝ stetig. Es existiere die Umkehrfunktion f −1 von f, und es gelte f −1 = f. Zeigen Sie, dass ein x ∈ ℝ existiert mit f (x) = x. |
(b) | Zeigen Sie, dass ein bijektives f : ℝ → ℝ existiert mit den Eigenschaften: f −1 = f, f (x) ≠ x für alle x ∈ ℝ. |
Übung 10
Führen Sie die Beweisskizzen des Nullstellensatzes, des Extremwertsatzes von Weierstraß und des Satzes von Heine über gleichmäßige Stetigkeit durch das Bisektionsverfahren detailliert aus.
Übung 11
Sei f : ℝ → ℝ stetig, und es gebe c, d ∈ ℝ mit
limx → ∞ f (x) = c, limx → − ∞ f (x) = d.
Zeigen Sie, dass f gleichmäßig stetig ist.
Übung 12
Wir nennen ein P ⊆ ℝ für diese Übung quasibeschränkt, falls gilt:
Es gibt δ, s > 0, sodass |x − y| > δ für alle x, y ∈ P − [ −s, s ] mit x ≠ y.
Zeigen Sie, dass die folgenden Aussagen für alle P ⊆ ℝ äquivalent sind:
(a) | Jede stetige Funktion f : P → ℝ ist gleichmäßig stetig. |
(b) | P ist abgeschlossen und quasibeschränkt. |