Limesregeln für Reihen

 Die Limesregeln für die Konvergenz von Folgen führen zu Regeln für die Konvergenz von Reihen:

Satz (Addition, Subtraktion und Skalierung von unendlichen Reihen)

Seien ∑n xn und ∑n yn konvergente Reihen in ℝ. Dann gilt:

(a)

∑n (xn + yn)  =  ∑n xn  +  ∑n yn,

(b)

∑n axn  =  a ∑n xn  für alle a  ∈  ℝ,

(c)

∑n (xn − yn)  =  ∑n xn  −  ∑n yn.

Beweis

Für alle n gilt

∑k ≤ n (xk + yk)  =  ∑k ≤ n xk  +  ∑k ≤ n yk.

Damit erhalten wir

∑n (xn + yn) =  limn ∑k ≤ n (xk + yk)  =  limn (∑k ≤ n xk + ∑k ≤ n yk)
=  limn ∑k ≤ n xk  +  limn ∑k ≤ n yk  =  ∑n xn  +  ∑n yn.

Die Aussage (b) wird ähnlich bewiesen, und die Aussage (c) folgt aus (a) und (b) mit a = −1.

 Der Leser wird vielleicht eine Produktregel vermissen. Hier ist aber Vorsicht geboten. Das Produkt

∑n xn  ·  ∑n yn  =  (x0  +  x1  +  x2  +  …) · (y0  +  y1  +  y2  +  …)

zweier Reihen hat bei einem naiven distributiven Ausmultiplizieren die Gestalt ∑n, m  ∈  ℕ xnym. In dieser Darstellung ist aber nicht angegeben, in welcher Reihenfolge die abzählbar vielen Paare (n, m) der Menge ℕ × ℕ aufsummiert werden, und es ist keineswegs klar, dass bei einer unendlichen Summation die Reihenfolge der Summanden keine Rolle spielt. Für das Produkt könnte man konkret

∑n xn  ·  ∑n yn  =  limk (∑n, m ≤ k xn ym)

setzen, was der Bildung von Rechtecken { 0, …, k }2 entspricht, oder aber

∑n xn  ·  ∑n yn  =  limk (∑n ≤ k xn yk − n),

was der Diagonalaufzählung von ℕ2 entspricht. Wir werden Summationsfragen und Produkte von Reihen später genauer untersuchen. Für das Folgende genügen uns die Addition, Subtraktion und Skalierung von Reihen.