Weitere Beispiele

 Zur weiteren Erläuterung des Stetigkeitsbegriffs betrachten wir noch weitere Beispiele. Genauer: Klassen von Beispielen, die wir auch als „kleine Sätze“ formulieren könnten.

Diskrete Definitions- und Wertebereiche

Sei f :   . Dann ist f stetig. Denn jede gegen ein a  ∈   konvergente Folge in  ist schließlich konstant, woraus sich die Limesstetigkeit ergibt. Allgemeiner ist f : P   stetig, falls es keinen Häufungspunkt von P gibt, der zu P gehört. Insbesondere ist jede Funktion auf einer diskreten Menge (eine Menge ohne Häufungspunkte) stetig. Umgekehrt gibt es keine stetige Funktion f : I  { 0, 1 } auf einem Intervall I, die genau die Werte 0 und 1 annimmt. Der Nachweis ist nicht trivial: Eine solche Funktion müsste an einer Stelle p einen Wert annehmen, der ein Häufungspunkt von Stellen des anderen Funktionswert ist (Übung).

Zusammenfügen von Funktionen

Sei I, J disjunkte offene Intervalle (d. h. I ∩ J = ∅). Weiter seien f : I   und g : J   stetig. Dann ist h : I ∪ J   stetig, wobei

h(x)  =  f (x),  falls  x  ∈  I,  h(x)  =  g(x),  falls x  ∈  J.

(Bei einem mengentheoretischen Funktionsbegriff gilt einfach h = f ∪ g.)

Die Voraussetzung an die Definitionsbereiche ist wesentlich. Bereits bei „I halboffen, J offen“ können durch das Zusammenfügen Sprünge entstehen (Übung). Und für allgemeine disjunkte Definitionsbereiche kann die Stetigkeit komplett verloren gehen: Für die stetigen Funktionen f :   , g :  −    mit

f (x)  =  0  für alle x  ∈  ,  g(x)  =  1  für alle x  ∈   − ,

ist die zusammengefügte Funktion h :    überall unstetig.

 Unproblematisch ist:

Einschränkung

Sei f : P   stetig, und sei Q ⊆ P. Dann ist die Einschränkung g = fQ : Q   von f auf Q (mit g(x) = f (x) für alle x  ∈  Q) stetig. Ist also f :    stetig, so sind zum Beispiel auch die Einschränkungen f[ 0, 1 ] und f stetig.

 Weitere Beispiele diskutieren wir anschaulich mit Hilfe von Diagrammen.

analysis1-AbbID80a

Die dargestellte Funktion f : [ −1, 1 ]   mit f (0) = 1/2 ist im Nullpunkt stetig. Der Nullpunkt ist sowohl ein Häufungspunkt von Unstetigkeitsstellen als auch ein Häufungspunkt von Stetigkeitsstellen von f.

analysis1-AbbID80b

Die Funktion g : [ −1, 1 ]   des Diagramms ist im Nullpunkt unstetig (unabhängig von der Definition von g(0)). Stetigkeits- und Unstetigkeitsstellen häufen sich bei 0.

analysis1-AbbID80c

Die Hyperbel h :   mit h(x) = 1/x für alle x  ∈  * ist stetig (mit * =  − { 0 }). Die Anschauung, dass h im Nullpunkt springt und deswegen dort unstetig ist, ist nicht korrekt. Die Funktion h ist im Nullpunkt nicht definiert, der Stetigkeitsbegriff ist nur für Punkte des Definitionsbereichs einer Funktion erklärt (vgl. hierzu auch die Bemerkung nach der Definition der Limesstetigkeit).