Fehlerabschätzung für das Newton-Verfahren

 Mit Hilfe des Satzes von Taylor können wir die hohe Konvergenzgeschwindigkeit des Newton-Verfahrens nachweisen:

Satz (Fehlerabschätzung für das Newton-Verfahren)

Sei f : [ p, x0 ]   zweimal stetig differenzierbar und konvex mit f (p) = 0, f (x0) > 0 und amin = f ′(p) > 0. Dann gilt für die monoton fallend gegen p konvergierende Newton-Iteration (xn)n  ∈   für den Startpunkt x0:

xn  −  xn + 1  ≤  xn  −  p  ≤  cmax2 amin (xn − 1  −  xn)2  für alle n ≥ 1,

wobei cmax  =  maxx  ∈  [ p, x0 ] f ″(x).

Beweis

Sei n ≥ 1. Die erste Ungleichung folgt aus p ≤ xn + 1 ≤ xn. Die zweite Ungleichung ist klar für xn = p. Sei also p < xn (und damit auch xn < xn − 1). Aufgrund der Konvexität von f ist f ′ monoton steigend, also ist

amin  =  minx  ∈  [ p, x0 ] f ′(x).

Damit ist amin (x − p) ≤ f (x) für alle x  ∈  [ p, x0 ], speziell gilt also

xn  −  p  ≤  f (xn)amin.

Es genügt also zu zeigen:

(+)  f (xn)  ≤  cmax2 (xn − 1 − xn)2.

Beweis von (+)

Nach dem Satz von Taylor für f und den Entwicklungspunkt xn − 1 existiert ein ξ zwischen xn und xn − 1 mit

f (xn)  =  f(xn − 1)  +  f ′(xn − 1) (xn − xn − 1)  +  f ″(ξ)2  (xn − xn − 1)2.

Nach der Rekursionsgleichung der Newton-Iteration gilt aber

xn  =  xn − 1  −  f (xn − 1)f ′(xn − 1),

und damit ist

f (xn)  =  0  +  f ″(ξ)2  (xn − xn − 1)2  ≤  cmax2 (xn − 1 − xn)2.

 Um ein Gefühl für die quadratische Konvergenzgeschwindigkeit des Verfahrens zu bekommen, nehmen wir an, dass

cmax  ≤  2 amin,

und dass wir die Rekursion soweit durchgeführt haben, dass xn − 1 − xn < 1/10. Dann gilt nach der zweiten Ungleichung

xn  −  p  ≤  1 · (xn − 1  −  xn)2  ≤  1102  =  1100.

Nach der ersten Ungleichung gilt xn − xn + 1 ≤ xn − p, sodass xn − xn + 1 < 1/100. Mit der Argumentation wie eben folgt, dass

xn + 1  −  p  ≤  1(100)2  =  1104.

Im nächsten Schritt erhalten wir xn + 2 − p < 1/108 usw.