7.10Das Kreuzprodukt

Definition (Kreuzprodukt)

Seien a, b  ∈  3. Dann gibt es nach dem Rieszschen Darstellungssatz genau einen Vektor w  ∈  3, der das lineare Funktional

det a;b;· : 3  

darstellt. Wir schreiben w = a × b und nennen w das Kreuzprodukt von a und b.

 Nach Definition gilt also (mit dem kanonischen Skalarprodukt)

〈 a × b, c 〉  =  det a;b;c für alle a, b, c  ∈  3. Für c = e1, e2, e3 erhalten wir

(a × b)1  =  〈 a × b, e1 〉  =  det a;b;e1  =  det a2b2a3b3,

(a × b)2  =  〈 a × b, e2 〉  =  det a;b;e2  =  −det a1b1a3b3,

(a × b)3  =  〈 a × b, e3 〉  =  det a;b;e3  =  det a1b1a2b2,

sodass

a × b  =  a2b3a3b2a3b1a1b3a1b2a2b1.

ela1-AbbID350a
ela1-AbbID350b

Der Vektor a × b steht senkrecht auf a und b und hat die Länge des Flächeninhalts des von a und b aufgespannten Parallelogramms. Die Richtung von a × b kann mit der Rechte-Hand-Regel (Drei-Finger-Regel) ermittelt werden: a entspricht dem Daumen, b dem Zeigefinger und a × b dem Mittelfinger der rechten Hand.

Beispiel

Für alle b  ∈  3 gilt

e1  ×  b  =  0b3b2,  e2  ×  b  =  b30b1,  e3  ×  b  =  b2b10.

Inbesondere ist e1 × e2 = e3, e1 × e3 = −e2, e2 × e3 = e1. Das Kreuzprodukt ist nicht assoziativ, da zum Beispiel e1 × (e1 × e2) = −e2 ≠ 0 = (e1 × e1) × e2.

Eigenschaften des Kreuzprodukts

〈 a × b, a 〉  =  0,  〈 a × b, b 〉  =  0

Orthogonalität

vol2(P(a, b))  =  ∥ a × b ∥,  vol3(P(a, b, c))  =  |〈 a × b, c 〉|

Volumenformeln

cos α  =  〈 a, b 〉∥ a ∥ ∥ b ∥,  sin α  =  ∥ a × b ∥∥ a ∥ ∥ b ∥

Winkel

Aa × Ab  =  det(A) (At)−1(a × b)

Transformation

Qa × Qb  =  Q(a × b)

Rotation

a × b  =  − b × a

Antikommutativität

a × (b × c)  =  b 〈 a, c 〉  −  c 〈 a, b 〉

bac-minus-cab-Regel

(λ a + b) × c  =  λ (a × c)  +  b × c

a × (λ b + c)  =  λ(a × b)  +  a × c

Bilinearität

u × u  =  0

Alternation

a × (b × c)  +  b × (c × a)  +  c × (a × b)  =  0

Jacobi-Identität

In dieser Tabelle sind a, b, c  ∈  3, A  ∈  GL(3, ), Q  ∈  SO(3) beliebig, wobei für den von a und b eingeschlossenen Winkel α vorausgesetzt wird, dass a, b ≠ 0. Weiter ist P(a, b) das von a, b aufgespannte Parallelogramm und P(a, b, c) das von a, b, c aufgespannte Parallelepiped.

Die Transformation lässt sich elegant so zeigen: Für alle a, b, c gilt

〈 Aa × Ab, c 〉  =  det Aa;Ab;c  =  det (A · a;b;A1c)  =  det A · det a;b;A1c  =  det A · 〈 a × b, A−1c 〉  =  detA · 〈 (At)− 1(a × b), c 〉.

Die Rotation ergibt sich nun aus det(Q) = 1 und (Qt)−1 = Q für Q  ∈  SO(3).

Das verallgemeinerte (n − 1)-stellige Kreuzprodukt im n

Mit Hilfe des Rieszschen Darstellungssatzes kann für jede Dimension n ≥ 2 ein Kreuzprodukt a1 × … × an − 1  ∈  n erklärt werden durch

〈 a1 × … × an − 1, a 〉  =  det a1an1a  für alle a1, …, an − 1, a  ∈  n.

Es gilt zum Beispiel die Orthogonalität a1 × … × an − 1  ∈  span(a1, …, an − 1) und die Volumenformel voln(P(a1, …, an)) = |〈 a1 × … × an − 1, an 〉|.