Koordinatenvektoren

 Die kanonische Basis e1, …, en des n erzeugt ein Koordinatengitter, mit dem wir jeden Vektor messen können. Allgemeiner gilt dies für jede Basis:

Definition (Koordinatenvektor)

Sei (v1, …, vn) eine Basis des n. Weiter seien u  ∈  n und λ1, …, λn  ∈   mit

u  =  λ1 v1  +  …  +  λn vn.

Dann heißt der Vektor 1, …, λn)  ∈  n der Koordinatenvektor von u bzgl. der Basis (v1, …, vn) des n.

 Ein Koordinatenvektor ist eindeutig bestimmt. Denn ist

u  =  λ1 v1  +  …  +  λn vn  und  u  =  μ1 v1  +  …  +  μn vn,  so gilt

0  =  u  −  u  =  1 − μ1) v1  +  …  +  n − μn) vn.

Da v1, …, vn linear unabhängig sind, ist diese Nulldarstellung trivial, d. h. es gilt λi = μi für alle i = 1, …, n. Dieses Argument ist ein Paradebeispiel für die Eleganz der Formulierung der linearen Unabhängigkeit über die Nulldarstellung.

Beispiel

(1)

Der Koordinatenvektor von v  ∈  3 bzgl. (e1, e2, e3) ist v selbst. Denn es gilt v = (v1, v2, v3) = v1 e1 + v2 e2 + v3 e3.

(2)

Es gilt (1, −2) = 3(1, 0) − 2(1, 1). Damit ist (3, −2) der Koordinatenvektor von (1, −2) bzgl. der durch (1, 0), (1, 1) gebildeten Basis.

Berechnung eines Koordinatenvektors

Sind ein Vektor u und eine Basis (v1, …, vn) des n gegeben, so finden wir den Koordinatenvektor von u bzgl. dieser Basis durch das Lösen eines linearen Gleichungssystems mit n Gleichungen und n Unbestimmten λ1, …, λn:

λ1 v11  +  λ2 v21  +  …  +  λn vn1  =  u1

λ1 v12  +  λ2 v22  +  …  +  λn vn2  =  u2

λ1 v1n  +  λ2 v2n  +  …  +  λn vnn  =  un

Dabei gilt

v1  =  (v11, …, v1n),  …,  vn  =  (vn1, …, vnn)  und  u  =  (u1, …, un).

Derartige Systeme lassen sich mit Hilfe von Matrizen effizient lösen. Wir besprechen ein Lösungsverfahren im folgenden Kapitel.

Visualisierung in der Ebene

Allgemeine Koordinatensysteme lassen sich in der Ebene sehr anschaulich darstellen. Wir betrachten hierzu die von den Vektoren

v1  =  (2, 1),  v2  =  (1, −1)

gebildete Basis des 2. Weiter betrachten wir den Vektor

w  =  (4, 5).

hm1-AbbID2d_coord_system_1

Die Basisvektoren v1 und v2 erzeugen ein schiefwinkliges Koordinatensystem

Anhand der Gitterlinien des Diagramms können wir ablesen, dass wir den Vektor w wie folgt darstellen können:

(1)

Wir gehen drei Einheiten auf der v1-Achse.

(2)

Von dort aus gehen wir zwei Einheiten antiparallel zur v2-Achse.

Wir erhalten so den Vektor

3v1 − 2v2  =  3(2, 1) − 2(1, −1)  =  (6, 3) − (2, −2)  =  (4, 5)  =  w

Dies zeigt, dass der Vektor (3, −2) der Koordinatenvektor von w bzgl. der Basis (v1, v2) ist. Alternativ lässt sich dies durch Lösung des Gleichungssystems w = λ1 v1 + λ2 v2 erhalten (vgl. hierzu die Übungen).