5b. Kompaktheit in ℝ (Lösungen)

Übung 1

Zeigen Sie:

(a)

Sind C1, …, Cn ⊆  kompakt, so ist C = C1 ∪ … ∪ Cn kompakt.

(b)

Jede endliche Teilmenge von  ist kompakt.

Lösung zur Übung 1

zu (a):

Sei 𝒰 eine offene Überdeckung von C. Wir zeigen, dass 𝒰 endlich reduzierbar ist. Wegen C1 ⊆ C ist 𝒰 eine offene Überdeckung von C1. Da C1 kompakt ist, gibt es ein endliches 𝒰1 ⊆ 𝒰 mit C1 ⊆ ⋃ 𝒰1. Analoges gilt für die kompakten Mengen C2, …, Cn, sodass es endliche Mengen 𝒰k ⊆ 𝒰 für k = 1, …, n gibt mit

Ck  ⊆  ⋃ 𝒰k  für  k = 1, …, n.

Sei 𝒱 = 𝒰1 ∪ … ∪ 𝒰n. Dann ist 𝒱 eine endliche Teilmenge von 𝒰 und es gilt

C  =  C1 ∪ … ∪ Cn  ⊆  ⋃1 ≤ k ≤ n ⋃ 𝒰k  =  ⋃ 𝒱.

Damit ist gezeigt, dass 𝒰 endlich reduzierbar ist.

Bemerkung

Die endlichen Teilsysteme können wir auch in der Form

𝒰1  =  { U1, 1, …, U1, k1 },  C1  ⊆  U1, 1 ∪ … ∪ U1, k1,

𝒰2  =  { U2, 1, …, U2, k2 },  C2  ⊆  U2, 1 ∪ … ∪ U2, k2,

𝒰n  =  { Un,1, …, Un, kn },  Cn  ⊆  Un, 1 ∪ … ∪ Un, kn

schreiben mit k1, …, kn  ∈  . Dann gilt

C  ⊆  U1,1 ∪ … ∪ U1, k1  ∪  …  ∪  Un,1 ∪ … ∪ Un, kn

mit endlich vielen Elementen des Systems 𝒰 auf der rechten Seite.

zu (b):

Jede Einermenge { x } mit x  ∈   ist kompakt. Denn ist 𝒰 eine offene Überdeckung von { x }, so gibt es ein U  ∈  𝒰 mit x  ∈  U. Dann ist { U } eine endliche Teilüberdeckung von { x } in 𝒰. Nach (a) ist also jede endliche Menge C = { x1, …, xn } = { x1 } ∪ … ∪ { xn } kompakt.

Übung 2

Sei [ a, b ] ⊆  mit a < b. Zeigen Sie die Kompaktheit von [ a, b ] mit Hilfe der Prinzips der Intervallschachtelung.

Lösung zur Übung 2

Zur Konstruktion der Intervallschachtelung verwenden wir folgende allgemeine Aussage:

(+)Ist 𝒰 eine Überdeckung von P = P1 ∪ P2 ⊆  und nicht endlich reduzierbar bzgl. P, so ist 𝒰 nicht endlich reduzierbar bzgl. P1 oder nicht endlich reduzierbar bzgl. P2.

Denn sind 𝒰1 und 𝒰2 endliche Teilüberdeckungen von P1 bzw. P2 in 𝒰, so ist 𝒰1 ∪ 𝒰2 eine endliche Teilüberdeckung von P in 𝒰.

Sei nun 𝒰 eine offene Überdeckung von [ a, b ]. Annahme, 𝒰 ist nicht endlich reduzierbar. Nach (+) können wir durch wiederholte Intervallhalbierung rekursiv Intervalle [ an, bn ] für n ≥ 0 konstruieren, sodass alle n gilt:

(i)

[ a0, b0 ]  =  [ a, b ]

(ii)

[ an + 1, bn + 1 ] ist die linke oder rechte Hälfte von [ an, bn ]

(iii)

bn − an  =  (b − a)/2n

(iv)

𝒰 ist nicht endlich reduzierbar bzgl. [ an, bn ]

(Dabei wenden wir (+) wiederholt auf [ an, bn ] = P1 ∪ P2 an, wobei P1 und P2 die linke bzw. rechte Hälfte von P = [ an, bn ] sind. Kurz: Wir wählen immer eine Hälfte, die „𝒰 ist nicht endlich reduzierbar“ aufrecht erhält.)

Nach dem Prinzip der Intervallschachtelung gibt es ein p  ∈  [ a, b ] mit

{ p }  =  ⋂n [ an, bn ]  ⊆  [ a, b ].

Da 𝒰 eine Überdeckung von [ a, b ] ist, gibt es ein U  ∈  𝒰 mit p  ∈  Up. Da U offen ist, gibt es ein ε > 0 mit Uε(p) ⊆ U. Sei n derart, dass

bn − an  =  (b − a)/2n  <  ε.

Wegen p  ∈  [ an, bn ] gilt

p − an  ≤  bn − an  <  ε,  bn − p  ≤  bn − an  <  ε.

Folglich gilt

[ an, bn ]  ⊆  Uε(p)  ⊆  U.

Dann ist aber { U } eine endliche (sogar einelementige) Teilüberdeckung von [ an, bn ] in 𝒰, im Widerspruch zu (iv).